
„Die Globalisierung in ihrer heutigen Form ist keine Erfolgsgeschichte. Sie hat das Schicksal der meisten Armen in der Welt nicht gelindert. Sie ist ökologisch bedenklich. Sie hat die Weltwirtschaft nicht stabilisiert. Und bei der marktwirtschaftlichen Transformation der Zentralverwaltungswirtschaften wurden so viele Fehler gemacht, dass, mit Ausnahme von China, Vietnam und einigen osteuropäischen Ländern, die Armut sprunghaft anstieg und die Einkommen stark zurückgingen. Aber nicht die Globalisierung ist das Problem, sondern die Art und Weise, wie sie umgesetzt wurde.“
Joseph Stiglitz, Wirtschaftsnobelpreisträger 2001

Die Liberalisierung des Kapitalverkehrs ab den 1970er Jahren und damit verbundene Steuerprivilegien haben zu einer deutlichen Verschiebung der Investitionen von Sachanlagen in Finanzanlagen geführt. Die Erwartung von Renditen hat Kostensparen ins Zentrum der Wirtschaft gerückt. Diesem Ziel wird vieles unterworfen und geopfert, Existenzen von Menschen, Sicherheiten, Gesundheit, Verantwortung für andere. Mit der Begründung des „Standortwettbewerbs“ setzten Regierungen Maßnahmen, um Unternehmen zu „entlasten“, Lohn-, Sozial- und Arbeitsbedingungen der ArbeitnehmerInnen wurden verschlechtert, „Arbeitsplätze abgebaut“. Die Menschen müssen sich nach den Bedürfnissen der Wirtschaft richten. Reiche und Vermögende ziehen sich immer mehr aus steuerlichen Beiträgen zum Allgemeinwohl zurück. Öffentliches Eigentum wird in privates umgewandelt, um Gewinn daraus zu ziehen. Staatliche Instrumente wie die Budget-, Steuer- oder Sozialpolitik werden in den Dienst der Wirtschaftsideologie des Neoliberalismus gestellt. Selbst mit Pensionsspargeldern wird spekuliert. Aktienkurse und Unternehmensgewinne erreichen immer neue Rekordwerte, aber Arbeitslosigkeit und Armut ebenso. Denn die gegenwärtige Wirtschaftsordnung hat eine enorme Umverteilung zu Lasten der ArbeitnehmerInnen und sozial Schwächeren in Gang gesetzt. Doch das Marktversagen wird immer offenkundiger, Unbehagen und Widerstand gegen diese Entwicklungen werden größer, das Verlangen nach einer gerechteren Verteilung der Wertschöpfung lauter.
Bei fortschreitender Automatisierung wird das Recht auf ein menschengerechtes Leben irgendwann nicht mehr allein von Erwerbsarbeit abhängig gemacht werden können. Es wird auch eine neue Einstellung zur Arbeit brauchen. Arbeit nicht nur in ihrer Form als Erwerbsarbeit, sondern auch als Haus-, Familien- und Eigenarbeit wie Bildung schaffe Werte, ist Wertschöpfung.
Zudem müssen wir fragen: Was soll wachsen, wenn „die Wirtschaft“ wächst? Nicht jedes Wachstum ist Fortschritt. Wachsen soll, was natürliche Lebensgrundlagen, Leben und Gesundheit schützt, was Lebens- und Arbeitsqualität aller verbessert, Kreativität und Eigeninitiative unterstützt, Abhängigkeiten mindert, Selbstbestimmung fördert, Frieden sichert, Zukunftschancen für alle erhöht. Wohlstand ist nicht nur in Zahlen zu messen. Wachstum muss nachhaltig sein.
Eine neue soziale Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft ist nötig. Moralische und ethische Fragestellungen müssen wieder mehr Bedeutung bekommen, den Neoliberalismus und seinen Egoismus, seine Wegwerfkultur, seine Rücksichtslosigkeit Mensch und Natur gegenüber in die Schranken weisen, die Kluft zwischen Arm und Reich, Schwach und Stark verringern.
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